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 Erfolge, Rückschläge und eine Vielzahl wertvoller Erfahrungen
   
Donnerstag, 21. September 2006 22:03
Ein Rückblick auf die Saison 2005/2006 der Junioren
Anfang August 2006 – Die Neuköllner Lokalpresse berichtet über das Abschneiden unserer Junioren bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften am auf dem Essener Baldeneysee am 25. Juni:
 
Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg erkämpften sich Patrick Schwarzer und Benedikt Busert im Zweier ohne Steuermann der Leichtgewichte die Goldmedaille bei den A-Junioren (U19). Mit acht Sekunden Vorsprung verwiesen sie die Konkurrenz der Renngemeinschaft Offenbach/Mannheim auf Platz 2. Die Bronzemedaillengewinner aus Hamburg kamen mit einem Rückstand von über 18 Sekunden ins Ziel. Im Vierer ohne Steuermann reichte es für Busert/Schwarzer zusammen mit ihren Partnern Janek Horeis und Philipp Vogel (Rudervereinigung Hellas-Titania Berlin) leider nur für den undankbaren vierten Platz. Die Freude über die Goldmedaille überwog jedoch bei den Trainern Martin Hasse und Martin Schulz, konnte doch erstmals seit 1997 wieder ein Jugendmeistertitel in den Berliner Süden geholt werden.
 
Wie kam es zu diesem Erfolg? Wer sind eigentlich diese Jungs und wer gehört eigentlich zur Trainingsriege der Junioren? Lasst uns zur Beantwortung dieser Fragen für einen Moment auf den vergangenen Herbst zurückblicken:
 
Im Oktober 2005 entschieden sich die leichten A-Junioren Benedikt Busert, Janek Horeis, Sebastian Lietze, und Marcel Noack, die Schwergewichte Patrick Strankowski und Christoph Möbius sowie die B-Junioren Marc Lasson und Nils Liebheit für die Aufnahme des Juniorentrainings im Wiking. Beim ersten Kräftemessen Anfang November auf dem Langstreckentest in Berlin zeigte insbesondere die Kombination Schwarzer/Busert mit einem guten Resultat im schweren Feld, dass in der kommenden Saison mit ihnen zu rechnen sei. Hoch erfreut waren die Trainer Martin Hasse, Martin Schulz und Lars Ziegner auch vom zweiten Platz von Lasson/Liebheit im Junior-B-Doppelzweier.
 
Dem Langstreckentest folgte die dunkle und kalte Jahreszeit, die für die Meisten den ersten kontinuierlichen Trainingswinter bedeutete. Während der Einheiten auf dem Wasser wurden seitens der Trainer die unterschiedlichsten Mannschaftskombinationen „ausprobiert“, galt es doch, im Leichtgewichtsbereich für die bevorstehende Saison die schnellstmögliche Zweier- und Viererkombination zu ermitteln. Um der Monotonie des Teltowkanals zumindest für einige Tage zu entfliehen, ging es Anfang März zusammen mit den „Alten“ in das fast schon traditionelle Trainingslager auf dem Lago di Varese in Norditalien, wobei Patrick Strankowski seine Teilnahme aus schultechnischen Gründen leider absagen musste. Besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang der AH-Mannschaft um Lutz „Emmi“ Weiler, Fritz Becker, Matthias Herrmann, Jürgen Hirsemann, Hans-Jürgen „Alti“ Altmann, Wolfgang Marschner, Peter Spahn und Peter Runge, die das Trainingslager mit ihrer großzügigen Unterstützung erst ermöglichten. In Italien musste Martin Hasse feststellen, dass der Trainer-Job mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung bedeutet. Es sind halt immer die vielen Kleinigkeiten wie der fehlende Verbindungsschlauch zwischen dem Tank und dem Motor des Trainerbootes, die dem Coach die verdiente Auszeit zwischen den Trainingseinheiten, Videoauswertungen und Gesprächen rauben. Auch die Junioren selbst gaben sich wenig Mühe, ihre Unerfahrenheit zu verbergen: Die Skulls der B-Junioren hatten sich schlichtweg geweigert, die Reise durch Europa anzutreten. Gleiches galt für die Rollsitze der Kollegen aus dem A-Bereich… Den Anfangsschwierigkeiten, die Martin Dank seines diplomatischen Geschicks schnell und unkompliziert meisterte, folgten dann aber abwechslungsreiche und erfolgreiche Trainingstage bei optimalen Ruderbedingungen am südlichen Alpenrand. Hier konnte sich Martin auch über die tatkräftige Unterstützung des Freundes von Emmi, Name (?) freuen, der neben seiner Funktion als Steuermann des AH-Achters auch der Juniorenriege stets hilfreich zur Seite stand. Die Anwesenheit der Nationalmannschaftsruderer Großbritanniens, Italiens und Dänemarks sowie vom Mainzer RV sorgte zusätzlich für ein professionelles Umfeld, das den jungen Nachwuchsruderern sicherlich die Faszination des Rudersports, gleichzeitig aber auch die hohe Meßlatte für die Zukunft vergegenwärtigte.
Nach dem einwöchigen Trainingslager in Italien war ursprünglich vorgesehen, zur unmittelbaren Saisonvorbereitung in das polnische Bydgoszcz zu fahren. Unser guter Freund Roman Czapara hatte bereits alle Vorbereitungen in die Wege geleitet. Leider musste die Fahrt zu unseren europäischen Nachbarn kurzfristig abgesagt werden, denn der hartnäckige Winter hatte die Region mit seinen frostigen Temperaturen auch zum Frühlingsanfang fest im Griff. Rasch wurde ein Alternativprogramm erarbeitet, dass für Anfang April ein zehntägiges Trainingslager auf dem Wolziger See im Brandenburgischen Blossin bei Königs-Wusterhausen vorsah.
Zuvor galt es jedoch, die Fortschritte des Wintertrainings auf dem Langstreckentest in Leipzig zu überprüfen. Auf der Grundlage der Trainingserkenntnisse gingen im Leichtgewichtsbereich die Kombinationen Lietze/Noack, Schwarzer/Horeis sowie Benedikt Busert mit Philipp Vogel von der Rudervereinigung Hellas-Titania an den Start. Der Zweier mit Strankowski/Möbius komplettierte als Schwergewichtsmannschaft das Aufgebot der Wikinger. Leider bot keine der Mannschaften eine überzeugende Leistung. Martin kommentierte die Ergebnisse zusammenfassend als „durchwachsen“. Auch unter der Berücksichtigung, dass die Leichtgewichte im offenen Feld antreten mussten, wurde deutlich, dass bis zur Meisterschaft noch viel Arbeit vor den Ruderern und Trainern liegen würde.
Das Trainingslager in Brandenburg sollte jedoch einen großen Schritt in die richtige Richtung darstellen. Philipp Vogel vervollständigte nun das Team der Leichtgewichte, so dass die Trainer Martin & Martin permanent auf einen Pool von sechs „Dünnbeinen“ zurückgreifen konnten. Die Zweier-Kombinationen von Leipzig wurden in Blossin zunächst beibehalten. Mit einem intensiven Arbeitsprogramm, das zwei tägliche Trainingseinheiten im Zweier bzw. in verschiedenen Viererkombinationen, mehrere Belastungsfahrten und auch Bootskunde-Unterricht beinhaltete, sollten die jungen Ruderer auf den Frühtest vorbereitet werden. Die B-Junioren ruderten abwechselnd im Einer und im Doppelzweier.
Der Frühtest auf dem Beetzsee in Brandenburg/Havel folgte bereits eine Woche nach dem Trainingslager. Wie bereits in Leipzig mussten die vier Zweiermannschaften allesamt in der offenen Klasse antreten. Erwartungsgemäß qualifizierten sich die Leichtgewichte daher für die hinteren Läufe, wobei sich die Kombination Busert/Vogel hier mit einer sichtbaren Weiterentwicklung am positivsten in Szene setzen konnte. Am gleichen Wochenende starteten die B-Junioren beim B-Frühtest in Berlin-Grünau. Nils Liebheit konnte sich für das zweite Finale qualifizieren, bei Marc Lasson reichte es für den dritten Lauf. Zwar brach bei Nils während des Rennens das Stemmbrett der Uli Worch, trotzdem zeigten die Trainer mit der Leistung der beiden Nachwuchsruderer in ihrer ersten Juniorensaison zufrieden.
Mit den Frühtests nahm nun die Regattasaison im Zwei-Wochen-Rhythmus ihren Lauf. Auf der 1500 Meter-Strecke von Bremen wurde ein gesteuerter Doppelvierer mit Marc Lasson/Nils Liebheit und Obermaier/Willy vom RV Empor an den Start geschickt. Die Rennen zeigten, dass den Jungs noch viel Arbeit bevorstehen würde. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, das die von Ulf Reinke betreute B-Mannschaft im Vorfeld nur zweimal gemeinsam trainieren konnte. Daher waren sich die Trainer einig, an der Renngemeinschaft Wiking/Empor festzuhalten. Positives gab es auch aus dem Lager der A-Junioren zu berichten: Der leichte Vierer musste zwar am Samstag aufgrund von Gewichtsproblemen bei den Schwergewichten starten, erkämpfte sich mit Patrick Schwarzer, Benedikt Busert, Philipp Vogel und Schlagmann Janek Horeis hier aber den Sieg vor den Schwergewichten vom Vegesacker RV. Darüber hinaus konnten Vogel/Busert am gleichen Tag ihren LG-Zweier gewinnen. Erfreulich war auch der Auftritt der Schwergewichte Patrick Strankowski und Christoph Möbius im schweren Zweier. Sie zeigten am Sonntag eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Vortag.
Die folgende Regatta in Köln rief der Mannschaft in Erinnerung, dass es sich beim Rudern um einen sehr naturverbundenen Sport handelt. Als „Kampf mit den Elementen“, gepaart mit Rennverschiebungen und Startabbrüchen, beschrieb Trainer Martin die widrigen Bedingungen auf der Strecke der Rheinmetropole. Seitens der Trainer sollten durch Mannschaftswechsel neue Erkenntnisse für den weiteren Saisonverlauf gewonnen werden. Erstmals in der Saison 2006 gingen daraufhin Schwarzer/Busert gemeinsam an den Start. Die Ergebnisse von Köln beschrieb Martin zusammenfassend allerdings mit Worten: „Durchwachsen, aber einige Lichtblicke.“ Am gleichen Wochenende sammelten die B-Junioren gesteuerten Doppelvierer in Rüdersdorf weitere Regatta- und Rennerfahrung.
Nur zwei Wochen später stand bereits Hamburg als letzte Regatta vor den Jugendmeisterschaften auf dem Programm. Das vorbereitende Training ließ bereits erkennen, dass mit der Umbesetzung von Köln die richtige Entscheidung getroffen wurde. Ausgestattet mit dem Top-Zweier Herbert Braun, setzten sich Schwarzer/Busert im LG-Zweier über die Strecke gegen die Konkurrenz an beiden Tagen durch. Besonders erfreulich war hier die Tatsache, dass Gegner, die während der Saison stets vor dem Wiking ins Ziel kamen, geschlagen wurden. Auch im LG-Vierer bot die Kombination Wiking/Hellas-Titania eine überzeugende Vorstellung. Zwar reichte es in dem stark besetzten Feld mit den gesundheitlich angeschlagenen Horeis/Vogel nur zu den Plätzen sechs und vier, doch der knappe Zieleinlauf des gesamten Feldes sorgte für Spannung pur. Die B-Junioren hatten im 4x+ weiterhin mit dem Bootsnachteil der schweren und alten Hanne Mö zu kämpfen. Die Entscheidung, die junge Mannschaft zum Bundesentscheid zu melden, fiel den Trainern schwer. Schließlich war man sich einig, den Jungs mit einem geliehenen Bootsbau-Vierer eine Chance zu geben. Sebastian Lietze und Marcel Noack konnten trotz einer sichtbaren Leistungssteigerung im Rennen ihre Potentiale leider auch in Hamburg nicht vollständig ausschöpfen. Gleiches gilt auch für Patrick Strankowski und Christoph Möbius.
Der Wiking fuhr somit mit den Ruderern Benedikt Busert, Janek Horeis, Patrick Schwarzer und Patrick Strankowski sowie Marc Lasson und Nils Liebheit zu den Jugendmeisterschaften nach Essen. Schwarzer/Busert wurden hier mit einem deutlichen Start-Ziel-Sieg ihrer in Hamburg erworbenen Favoritenrolle gerecht: Die vierte Jugendmeisterschaft nach Jochen Bethkenhagen/Werner Stahr 1964, Volker Bretzel/Martin Schulz 1994 und Sascha Noack/Christian Scheer/Oliver Zoufahl 1997! Der leichte Vierer ruderte knapp am begehrten Edelmetall vorbei. Mangelnde Erfahrung war sicherlich der Hauptgrund für die verpasste Finalteilnahme der B-Junioren.
Sebastian Lietze und Marcel Noack bekamen bei den Deutschen Großbootmeisterschaften am 15. Juli in Berlin die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Zusammen mit Benedikt Busert und Routinier Christian Schulze kamen sie zwar nicht über den dritten Platz im drei-Boote-Feld des LG-Vierers ohne St. hinaus, boten gegen die bereits aus Italien bekannten Nationalmannschaftsathleten des Mainzer RV und die starke Mannschaft aus Essen aber eine solide, anerkennenswerte Leistung, die zuversichtlich für die kommende Saison stimmen sollte.
 
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Junioren ihre Saison mit sehr unterschiedlichen Resultaten und Erfolgen beendeten. Gemein ist ihnen aber ein wertvoller Erfahrungsschatz, den sie sich in den vergangenen Monaten aneignen konnten. Zusammen wird die Truppe daher auch im kommenden Jahr für die eine oder andere Überraschung gut sein. Packen wir’s an!
 
Marco Seitz und Thorsten Kohlisch
rgw
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